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Interspaces (au cercle de Le Cube)

04.05.2018 - 15.06.2018

Kunstverein Kärnten, Klagenfurt / Österreich

Interspaces
Interspaces, also Zwischenräume, sind ein prägendes Merkmal unserer Gegenwart. Es sind Zwischenräume privater und öffentlicher, somit auch politischer Natur. Der zeitgenössische Mensch bewegt sich in einem globalisierten Gefl echt aus Orten, Kulturen, Netzwerken, Disziplinen, Theorien und Ideologien, welches auch einem steten Bedeutungswandel ausgesetzt ist. Ständig verschwimmen Grenzen, es bilden sich Zwischenräume, verschieben sich und schließen sich wieder.

Hinzu kommt ein politisches Gefühl des „Dazwischen-Seins“, ein Unbehagen, das seinen Grund in der Verschiebung hegemonialer Machtstrukturen hat.... Vergegenwärtigt man sich etwa die Kolonialgeschichte, so findet man eine Reihe an eurozentristischen Deutungsmodellen, die auf dem Grundsatz einer allumfassenden europäischen Vorherrschaft aufgebaut sind und somit völlig überholt sein sollten. Binär organisierte Regulative wie „das Eigene“ und „das Fremde“ haben eine lange Tradition, müssten aber nach Jahrzehnten intensiver postkolonialer und kulturwissenschaftlicher Aufarbeitung obsolet sein. Trotzdem erfährt dieses historisch gewachsene Oppositionsschema wir/Norm/Ideal versus die anderen/Abnormität/Mangel aktuell neuen Zuspruch und führt zu gefährlichen Vereinfachungen. Doch wie können in diesen starren Strukturen globalisierte und vielfältige Lebensformen beschrieben, verstanden und gelebt werden? Wie kann das Fremde im Eigenen oder die Abnormität in der Norm ihre Wertschätzung finden?

Zeitgenössische Kulturtheorien proklamieren multipolare und nichthierarchische globale Konzepte; interkulturelle Theorien versuchen die Komplexität der Austauschprozesse zwischen verschiedenen Kulturen zu beschreiben. In einer vernetzten Welt haben solche Konzepte nicht nur eine theoretische, sondern auch eine praktische gesellschaftspolitische Relevanz.

Für die Ausstellung Interspaces wurden Positionen ausgewählt, die dieses Themenspektrum behandeln und geografische, linguistische, genderpolitische und mediale Aspekte aufgreifen. Sie bieten alternative Sichtweisen und generieren erweiterte Handlungsspielräume: So thematisieren Katrin Ströbel & Mohammed Laouli in ihrer Arbeit Fließende Grenzen und Nicole Schatt in Max und andere Zugvögel die gegenwärtigen Flucht- und Migrationsbewegungen. Randa Maroufis Film The Great Safae handelt von gesellschaftlichen Machtmechanismen, die eine klare Definition der Geschlechtermodelle verlangen. Younes Baba-ali sowie Giancarlo Norese & Cesare Pietroiusti untersuchen Sprache als strukturschaffendes Phänomen. Käthe Hager von Strobele visualisiert in ihrer Arbeit Moiré Varianten von Körperlichkeit durch die Manipulation textiler Oberfl ächen. Abdessamad El Montassir erarbeitet in Al Amakine – une cartographie des vies invisibles eine Alternativgeschichte zu seinem Heimatort. Zainab Andalibe& Nicolas Kozerawski führen in ihrer Installation Roses des vents das klassische Navigationsinstrument, die Windrose, ad absurdum.

(au cercle de Le Cube)
Grundstock der Ausstellung sind Arbeiten von Kunstschaffenden, die mit dem Kunstraum Le Cube – independent art room in Verbindung stehen.

Der Kunstraum wurde 2005 von der Kunsthistorikerin und gebürtigen Österreicherin Elisabeth Piskernik in Rabat gegründet und ist heute ein fixer Bestandteil der marokkanischen Kunstszene. Im Cube wird ein breites Spektrum an zeitgenössischen Kunstpositionen in Form von Rauminstallation, Fotografie, Performance, Video- und Soundkunst gezeigt.

Als unkommerzieller Ausstellungsraum stellt der Cube für die lokale zeitgenössische Kunstszene eine Plattform zum Ausstellen und Experimentieren dar. Er fördert im Rahmen eines Residency-Programms den Austausch mit internationalen KünstlerInnen, welche zudem die Möglichkeit haben, während ihres Aufenthalts vor Ort zu arbeiten, Projekte zu entwickeln und zu realisieren.

Das bilaterale Projekt Interspaces ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit des Kunstvereins Kärnten mit dem Kunstraum Le Cube, welches mittels unterschiedlicher künstlerischer Positionen den Versuch wagt, vermeintlich abgesteckte Grenzen zu ver wischen und den dadurch gewonnenen Zwischenraum für neue Sichtweisen zu nutzen. „Ja, kann man ein unscharfes Bild immer mit Vorteil durch ein scharfes ersetzen? Ist das unscharfe nicht oft gerade das, was wir brauchen?“, fragte einmal Ludwig Wittgenstein. Und wir sagen: „Vermutlich hat er Recht!“

Edith Payer & Elisabeth Piskernik


[Quelle: www.kunstvereinkaernten.at]

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last modified at 08.08.2019


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